Beni Eisenburg

A Bleame auf'm Huat

Einst und jetzt im Tegernseer Tal

Mit seinem unglaublichen Wissensschatz um die Menschen, Traditionen und Begebenheiten, die diese Region so nachhaltig prägten, hält der Chronist und Heimatpfleger Beni Eisenburg Erinnerungen am Leben, die ohne ihn vielleicht schon längt verloren gegangen wären.  

 

Wer Beni Eisenburg bei einer seiner Lesungen erleben darf, schätzt die ruhige Art, wie er sein Wissen zu vermitteln versteht. In den 1980er-Jahren begann er zudem für verschiedene Zeitschriften zu schreiben.

 

Seit 35 Jahren schenkt Beni Eisenburg mit seinen geschichtlichen und volkskundlichen Artikeln in den „Tegernseer Nachrichten“ den Lesern Kurzweil und Freude. Aus ihnen wird dem Leser eine Auswahl von 333 buntgemischten Beiträgen über Menschen, Brauchtum und Geschichte des Tegernseer Tals präsentiert.  

 

Beni Eisenburg schreibt über die Fest- und Feiertage eines Jahres und die damit verbundenen Bräuche; er erzählt von den prominenten Talbewohnern ebenso wie von den vielen Menschen und Vereinen, die Leben und Kultur in unserm Tal geprägt haben, heute jedoch nahezu vergessen sind. Neben den glanzvollen Epochen der Benediktiner und Wittelsbacher erinnert er aber auch an die entbehrungsreichen Jahre in harten Kriegszeiten.

 

Und immer wieder sind es die kleinen Dinge in unserm Leben, die Beni Eisenburg eine Erwähnung wert waren, was letztlich auch im Titel des Buches Ausdruck gefunden hat.

Die Haupstraße von Tegernsee um 1900 - im Hintergrund das Hotel Guggemos

Aus Liebe zur Heimat

Eine Ruderpartie in der Egerner Bucht um 1920

Heimat ist vielschichtig und setzt sich aus vielen kleinen wie großen Teilen zusammen. Sie besteht nicht nur aus einem Ort, den Bauwerken oder der Landschaft; ebenso sind es die Geschichte(n), das Brauchtum und die Menschen einer Region, die das Gefühl von Heimat ausmachen. Somit ist auch jeder Mensch ein Teil von seiner Heimat. Ein besonderes Herzstück des Tegernseer Tals ist der Heimatpfleger Beni Eisenburg.

 

Mit seinem unglaublichen Wissensschatz um die Menschen, Traditionen und Begebenheiten, die diese Region so nachhaltig prägten, hält er als Chronist Erinnerungen am Leben, die ohne ihn vielleicht schon längt verloren gegangen wären. Und eben aus dieser Intention heraus, diese Erinnerungen zu bewahren und an die nächsten Generationen weitergeben zu können, ist die Idee zu diesem Buch entstanden.



Die Tegernseer Augenklinik

Die Photographie aus dem Jahre 1899 zeigt die Tegernseer Augenklinik. Herzog Karl Theodor war von 1875 bis 1909 Schlossherr von Tegernsee. Er hatte sich nach einer gründlichen Ausbildung in Wien und Zürich zuerst in München niedergelassen. Schließlich richtete er sich zuerst im Schloss eine Augenklinik ein. Der notwendige Erweiterungsbau, ein großes dreigiebeliges Haus (das spätere Kreiskrankenhaus), in dem die Augenklinik untergebracht war, wurde 1885 eröffnet. Zusammen mit dem Distriktsarzt Dr. Alois Rosner betreute der Herzog die Kranken. Täglich wurden an die 30 Patienten versorgt. Von überall kamen Hilfesuchende. Im Jahre 1889 fand bereits die tausendste Staroperation statt. Über 5000 Staroperationen hat er durchgeführt. Einer dieser glücklich Operierten war Benedikt Jennerwein. Er schreibt darüber in einem Vers:  

 

Da hat mir der Kaplan drin gratn, i sollt auf Tegernsee 

Gon Herzog gehen, der war so gschickt und tat oan gar nit weh. 

As Diandl hat mi außigführt, an Herzog sei Spital. 

Da hams uns glei was z‘Essn gebn und eigweist in an Saal. 

Der Herzog selm a deutscher Herr hat freundli mit mir gredt 

und hama i und s‘Nannei kriagt, a jeds a extrigs Bett. 

Den andan Tag, da hat a no an Dokta für mi mitbracht. 

Na hams mi mit an schiachn Gschmach glei völli damisch gmacht. 

Und wie i widrum aufgwacht bin, i woaß net wia ma gschegn, 

Da hon i hint an Ofn hint scho as Nannei sitzen gsehng. 

No, sagt da Wirt, dös hat an Nam, werd net viel so Herzog gebm, 

Der wia der Herr Karl Theodor grad für de Kranken lebm.  

 

In Tegernsee erinnert eine Straße an den Wittelsbacher Wohltäter, der 1909 Ehrenbürger der Gemeinde wurde.  



Thomas Hasler

(1851–1876)

Der „Riese von Gmund“

Geboren wurde er am 5. Oktober 1851 in Holz, als Sohn des Johann Hasler, Grundners in Holz und dessen Ehefrau Maria. Am 6. Oktober wurde er in der Pfarrkirche von Gmund getauft. Bis zu seinem 9. Lebensjahr verlief sein Leben normal. Möglicherweise war es der Hufschlag eines Pferdes auf seine linke Wange, der sein Leben von Grund auf ändern sollte. Es setzte ein rasches Wachstum ein, das bis zu seinem Tod mit 25 Jahren nicht mehr aufhören sollte. Mit 11 Jahren passte er nicht mehr in die Schulbank und musste daraufhin entlassen werden. Mit 12 Jahren maß er schon 6 Fuß, also knapp 1,90 m. Auf Grund seiner außergewöhnlichen Körperkräfte konnte er ein umgestürztes Fuhrwerk ohne fremde Hilfe allein wieder aufrichten. Sein Vater starb früh, er hatte noch fünf Geschwister, die aber alle normal gewachsen waren. Thomas war sehr gutmütig, später dann verständlicherweise etwas scheu. Unter 45.000 bayerischen Militärpflichtigen der damaligen Zeit waren nur vier Mann, die über 1,90 m waren. Seine volle Größe betrug bei seinem Tod 2,35 m. Thomas Hasler kann als größter Bayer angesehen werden.

 

Im Alter von 25 Jahren sollte er im Juni 1876 im Pathologischen Institut der Universität München untersucht werden. Es kam nicht mehr dazu, am 29. Juni 1876 verstarb Thomas Hasler überraschend. Seine Leiche wurde noch nach München zur Untersuchung gebracht. Mit Hilfe moderner diagnositischer Techniken wurde in jüngster Zeit das Skelett untersucht, wobei neue Erkenntnisse über die Krankheit des Gmunders gewonnen wurden. Nach diesen Forschungen war der bedauernswerte Thomas Hasler auf dem rechten Ohr taub, die linke Nasenhälfte war durch einen Knochen verschlossen, das linke Auge blind. Der Riesenwuchs hatte seine Ursache in einer vermehrten Produktion von Wachstumshormonen in der Hirnanhangdrüse.

 

Im Sterbebuch der Pfarrei Gmund wird als Todesursache Gehirnlähmung aufgeführt. Thomas Hasler, der jahrelang auf der Tenne des Grundnerhofes wohnte, lebte zuletzt beim Schneider Hagn in Gmund. Im Pathologischen Institut der Universität München wird bis heute sein Skelett aufbewahrt. 2013 kehrte es anlässlich einer Sonderausstellung im Tegernseer Heimatmuseum für einige Monate nochmals ins Tal zurück.